Der Museumsgarten
Ein Garten kann mehrere Leben haben, immer je eines unter den Händen und Augen seiner jeweiligen Besitzer. Der Garten am Künstlermuseum Heikendorf-Kieler Förde hat inzwischen sein drittes oder sogar viertes Leben. Zuerst gab es auf dem Grundstück Teichtor 9 in Heikendorf das Kätner-Haus von Hans Hinrich Wilhelm Böhe. Dort bauten der Maurermeister Schnoor und seine Ehefrau Wilhelmine Magdalena, geb. Kähler, 1865 ihr zweigeschossiges Wohnhaus als Klinkergebäude. Ihre Tochter Meta Magdalena heiratete den Schriftsteller Georg Hoffmann und übernahm im Wege der Erbfolge 1908 ihr Elternhaus. Bis heute wissen wir vom Aussehen der Gärten und ihrer Nutzung in jenen Zeiten nichts Genaues. Vermutlich aus noch älterer Zeit stammt der beschauliche Fachwerkschuppen im Innenhofbereich. Erst als der Kunstmaler Heinrich Blunck 1923 das Haus für sich und seine Frau erwarb, fertigte er eine Algrafie von dem Garten an, den er vorfand. (Eine Algrafie ist ein Flachdruck mittels eines Aluminiumblechs als Druckfläche.). Damals war das Grundstück straßenseitig von einer Ligusterhecke begrenzt, seitlich von Knicks und auf der Rückseite von Dornen, nämlich Schwarzdorn. Von dieser üppig weißblühenden Schlehenhecke finden sich auch noch heute einige Sträucher. Viele Obstbäume, die bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts getragen haben, sind um diese Zeit gepflanzt worden. Der Garten diente zur Selbstversorgung der Künstlerfamilie mit Obst und Gemüse, und den Hühnern. Die Bäume schufen aber auch windgeschützte, schattige Plätze hinter dem Haus für den Aufenthalt im Freien mit Malerkollegen und Freunden, der Garten bot Rückzug und war Quelle der Inspiration für den Maler. Nach dem Tod von Heinrich Blunck (1963) pflegte seine Frau den Garten allein. Bis ins hohe Alter versorgte sie sich aus dem Garten. Sie hatte sich sogar eine Telefonklingel an die Außenwand des Hauses legen lassen: So lange es das Wetter erlaubte, hielt sie sich im Garten auf.
Nach dem Tod von Käthe Blunck (1991), nach dem Umbau ihres Wohnhauses zum heutigen Museum und dem Bau der Ausstellungshalle, wurde ihr Garten in den Jahren 1999/2000 in Anlehnung an den alten Stil überwiegend neu, in Form eines Museumsgartens, gestaltet. Für die notwendige Neuanlage hat die Diplom-Biologin Annemarie Eigner einen Plan für einen Museumsgarten erstellt. Ihr Wissen um die typischen Gartenpflanzen dieser Region und ihre Kenntnisse von schleswig-holsteinischen Gärten waren die Voraussetzung für die Arbeit der damals aus dem Kreis der freiwilligen Museumsmitarbeiter:innen gegründeten Gartengruppe. Diese Gartengruppe hat sich zügig vergrößert, besteht heute aus 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und trifft sich in der Regel von März bis November einmal pro Woche, drei bis vier Stunden, zu gemeinsamer ehrenamtlicher Arbeit.
Weit über 200 Pflanzenarten zeigen sich als Zwiebelpflanzen, Einjährige, Kräuter, alte Gemüsesorten, Stauden und Sträucher, darunter viele Rosen. Die Pflanzen können Anregungen für den eigenen Garten vermitteln. Alles soll unter dem Motto wachsen: Es soll das ganze Jahr über etwas Blühendes zu finden sein. Von den ersten winterblühenden Sträuchern im Januar bis zu den letzten Chrysanthemen im Dezember! Die Pflanzen, die aus dem ehemaligen Garten von Heinrich und Käthe Blunck am alten Standort überdauert haben, werden natürlich besonders in Ehren gehalten. Das sind z. B. die großen Schneeglöckchen (Nivalis elatior), die Glyzinie am Verandafenster (denkmalgeschützt!) und davor die gelben Darwin-Tulpen, die rote Kletterrose im Traufbereich des Hauses („Dorothy Perkins“), viele Stauden, die aus den Gärten der Nachbarn in Teilstücken zurückgewandert sind, und die hohen Stockrosen, die sich inzwischen viele Male versamt haben. Besonders prächtig leuchtet der im Herbst rotglühende Wilde Wein am Atelieranbau. Alle diese Pflanzen haben den Übergang in das gegenwärtige Gartenleben geschafft und sind im Zusammenklang mit dem Museumsensemble Grund zur Freude für die Museumsbesucher:innen.
Im Gästebuch des Museums spiegelt sich die Anerkennung in so manch einer liebenswerten Eintragung: „Der Garten hier ist wunderschön und ganz schöne Blumen.“, schrieb ein kleines Mädchen am 29.7.2012 und malte eine Kinderblume dazu. Die drei Linden vor dem Atelierhaus wurden, ebenso wie die Glyzinie vor der Jugendstilveranda, zusammen mit dem Atelierhaus dem Denkmalschutz unterstellt.
Öffentliche Anerkennungen
| 2002 | Stiftungspreis der Richard Anders-Kultur- und Denkmalstiftung für das Gesamtensemble (Haus und Garten) |
| 2006 | Aufnahme in die „Gartenrouten sehenswerter Gärten in Schleswig-Holstein“ |
| 2008 | Auszeichnung der ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen des Museums, darunter auch der Gartenbeauftragten des Museumsgartens, mit dem Ehrenamtspreis des Kreises Plön |
| 2013 | Christian C. L. Hirschfeldpreis der Bürgerstiftung Kiel und der Brunswiker Stiftung an die ehrenamtliche Gartengruppe des Künstlermuseums Heikendorf-Kieler Förde für herausragendes, ehrenamtliches Engagement zur Planung, Entwicklung und Pflege des Museumsgartens in Heikendorf. |
| 2015/16 |
Preis für Umwelt-, Bau- und Gartenkultur der Gemeinde Heikendorf |
Skulpturen
Wechselnde Skulpturen von verschiedenen Künstler:innen finden ebenfalls einen Platz im Garten. Skulpturen von Ursula M. Baldrich, Karin Hertz, Jo Kley und Ben Siebenrock sind dauerhaft an diesem Standort ausgestellt.
Ein Kunstmuseum für regionale Kunst im Kontext mit Wechselausstellungen europäischer/internationaler Malerei.